Wie mache ich mein Pferd winterfest?

Pferd wälzt sich im Schnee

Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Du solltest dir zunächst folgende Fragen stellen:
  1. Welche Rasse ist mein Pferd?
  2. Wie alt ist mein Pferd?
  3. In was für einer Art Stall steht mein Pferd?
  4. Hat es irgendwelche Krankheiten/ Schwierigkeiten?
  5. Ist es besonders leichtfuttrig?
  6. Was möchte ich über den Winter mit meinem Pferd machen?

In der freien Natur bekommen Wildpferde sehr dickes Fell. Dort werden sie aber nicht geritten, gymnastiziert, bewegt oder ausgebildet. Der Winter kostet die Pferde viel Energie, da sie sich warmhalten müssen.

Soll ich mein Pferd eindecken - ja/nein?

Das kommt drauf an. Älteren, leichtfuttrigen oder kranken Pferden, solltest du besser eine Decke anziehen. Wenn sie sowieso mit etwas zu kämpfen haben, dann ist es wichtig, dass sie nicht frieren. Sich warmzuhalten kostet viel Energie.

Ein Pferd, welches im Sport läuft oder mehrmals wöchentlich auf einem höheren Level trainiert wird, wird auch oft eingedeckt. Häufig werden diese Pferde geschoren, denn das dicke Fell macht schnell müde. Wenn das Fell durchgeschwitzt ist, dauert es oft Stunden bis es wieder ganz trocken ist. In dieser Zeit besteht ein erhöhtes Erkältungsrisiko für die Tiere. Wobei auch hier wieder individuell auf das Pferd zu achten ist. Manche kommen mit ihrem dicken Fell im Wintertraining prima klar, dann ist keine Decke notwendig.

Wenn du dein Pferd in einem Offenstall stehen hast und nur leichte Arbeit und Ausritte mit ihm machen möchtest, wobei es nicht wirklich schwitzt, dann sind weder eine Schur noch eine Decke nötig. Wichtig ist nur, dass sich dein Pferd jederzeit unterstellen kann. Achte also darauf, dass dein Pferd nicht rangniedrig ist und tagelang im Dauerregen steht. Wenn dies der Fall ist, dann solltest du ihm besser eine ungefütterte Regendecke überziehen.

Pferde mit Decke eingedeckt im Winter

Wenn du für dich und dein Pferd also entscheidest, dass eine Decke oder eventuell sogar eine Schur nötig ist, dann solltest du natürlich auf die Passform achten. Denk daran, dass das Pferd diese Decke stundenlang trägt und sie dementsprechend gut sitzen sollte. Eine angemessene Schulterfreiheit ist wichtig und die Bauchgurte dürfen beispielsweise nicht zu lang sein. Außerdem solltest du die Decke nur auf trockenes Fell legen. Manche Decken sind zwar atmungsaktiv, aber du solltest trotzdem darauf achten, dass dein Pferd kein nasses Fell mehr hat, wenn du die Decke auflegst. Wenn dein Pferd mit der Decke im Regen war und du keine Ersatzdecke hast, achte beim Abnehmen der Decke darauf, dass du sie nicht einfach irgendwohin schmeißt oder hinhängst. Falte sie ordentlich zusammen, sodass keine Luft mehr an das Innenfutter kommt. Nur so wird es nicht klamm und bleibt trocken und du kannst die Decke entspannt nach dem Reiten wieder auf dein Pferd legen. Merk dir: Lege niemals eine Decke mit nassem Innenfutter auf dein Pferd. Die Nierenpartie wird sofort nass und kalt und dein Pferd krank.

Du deckst jedes Jahr ein? Denke früh genug daran deine Decken wieder winterfest zu machen! Kontrolliere sie auf Löcher. Außerdem ist waschen und neu imprägnieren angesagt.

Soll ich mein Pferd scheren - ja/nein?

Eine Schur ist nur dann sinnvoll, wenn aktiv geritten und trainiert wird und das Pferd viel schwitzt. Wenn du nur scheren willst, um coole Muster zu haben, dann solltest du deinem Pferd sein Fell lassen. Gerade wenn du lange entspannte Ausritte mit ihm machen willst und es viel raus kommt. Das lange Fell bietet nicht nur Wärme, es schützt auch vor Regen, Schnee und Wind. Gerade dann, wenn eine richtig schöne Schlammkruste über das ganze Fell verschmiert ist, perlt der Regen oder Schnee wunderbar am Fell ab und kommt nicht bis auf die Haut. Auch der Wind hat gegen das dichte und dicke Fell dann keine Chance mehr.

Schwitzt dein Pferd jedoch täglich beim Reiten, so ist eine Schur für die Gesunderhaltung des Pferdes vorteilhaft. Langes verschwitztes Fell kann schnell zu Erkältungen bei Pferden führen.

Soll ich meinem Pferd die Hufeisen abnehmen - ja/nein?

Viele Pferdebesitzer lassen während des Winters die Hufeisen bei ihren Pferden abnehmen. Das ist auch völlig in Ordnung. Jedoch sollte auch hier individuell auf das Pferd und die Situation geachtet werden. Wird das Pferd im Winter weniger bewegt? Schneit es viel in der Region? Auf Schnee und Eis sind Hufeisen rutschiger als das Hufhorn selbst. Deswegen entfernen vor allem viele Freizeitreiter und Leute, die ihre Pferde im Offenstall stehen haben, die Hufeisen. Natürlich laufen Pferde, die normalerweise Eisen haben, fühliger auf hartem Untergrund. Deswegen solltest du gut überlegen, ob die Eisen runter sollen oder doch lieber drauf bleiben. Es gibt auch einige Zwischenlösungen, wie beispielsweise Stollen und/oder den Grip. Dieses gummiartige Material wird zusätzlich unter dem Hufeisen befestigt. Es soll dazu dienen, dass sich nicht zu viel Schnee unter den Hufen sammeln kann und die Pferde nicht so häufig ausrutschen.

Wenn du dir unsicher bist, kannst du sicherlich ein Gespräch mit deinem Hufschmied aufsuchen und gemeinsam nach der perfekten Lösung suchen.

Hufeisen mit Grip in Pink

Soll ich mein Pferd auf die Weide stellen - ja/nein?

Kann mein Pferd im Winter auf die Weide? Klar! Pferde sind nicht aus Zucker. Sie sind robuste Herden- und Lauftiere. Dementsprechend ist es sogar wichtig, dass sie rauskommen. Es stärkt ihr Sozialverhalten und ihr Immunsystem. Wichtig ist, dass sich jedes Pferd unterstellen kann, falls es länger regnet oder schneit. Ein bisschen Regen sollte jedes gesunde Pferd abkönnen. Aber wenn Pferde wirklich stundenlang oder gar tagelang im Regen stehen ohne abtrocknen zu können, kann das zu Erkältungen oder sogar Hautpilzen führen. Außerdem ist auf den Untergrund zu achten. Manche Pferde reagieren empfindlich darauf, wenn sie zu lange im Schlamm stehen. Dann bekommen sie oft Mauke oder Strahlfäule. Falls kein trockener Untergrund als Paddock zur Verfügung steht, ist das aber auch noch lange kein Grund, das Pferd in der Box zu lassen! Nach dem Schlamm werden die Fesseln und Hufe einfach gewaschen und mit einem Handtuch trocken gerubbelt. Wer sich noch unsicher ist, kann seinen Tierarzt zusätzlich um Rat fragen. Aber eins ist sicher: Raus mit den Pferden! Zu einer artgerechten Haltung zählt genügend Auslauf und Bewegung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich ein Wildpferd circa 16 Stunden am Tag gemütlich fortbewegt.

Bei vereisten Paddocks ist Vorsicht geboten. Am besten wird noch vor Wintereinbruch ein wetterfestes Paddock hergestellt. Eine Variante sind Bodenraster mit Split und Sand, hier wird die Rutsch-und Stolpergefahr verringert.

Soll ich mein Pferd reiten - ja/nein?

Kannst du dein Pferd im Winter reiten? Ja klar! Auch im Winter sollte dein Pferd bewegt werden. Genau wie bei den anderen Themen gibt die Situation letztlich vor, was gemacht werden kann und was nicht. Bei Eis solltest du natürlich nicht ausreiten. Wenn du im Dunkeln unterwegs bist, solltest du dich und dein Pferd mit Leuchtsachen ausstatten. Wenn dein Pferd nicht eingedeckt ist, solltest du es nicht genauso reiten wie im Sommer. Mache einfach mehr Pausen und kürzere Einheiten, damit dein Pferd nicht so schwitzt und sich nicht erkältet. Ein bisschen schwitzen ist nicht schlimm, aber es sollte nicht klitschnass geritten sein. Wenn dein Pferd jedoch eingedeckt und möglicherweise sogar geschoren ist, solltest du beim Warmreiten mit einer Nierendecke oder einer Abschwitzdecke reiten, damit es sich langsam aufwärmen kann. Eine Abschwitzdecke kann nach dem Reiten bei jedem Pferd aufgelegt werden (außer das Pferd hat gar nicht geschwitzt). Außerdem solltest du darauf achten, dass du dein Pferd im Winter noch länger warm reitest. Die Gelenkflüssigkeiten brauchen noch etwas mehr Zeit, um warm und geschmeidig zu werden.

Hufe vom Pferd im Schnee

Soll ich das Futter umstellen - ja/nein?

Viele Reiter fragen sich, ob das Pferd im Winter Zusatzfutter benötigt oder nicht. Auch hier kommt es auf Rasse, Alter und Haltungsform an. Grundsätzlich sollte Heu/ Heulage und ein Mineralleckstein im Winter genügen. Viele Tierärzte raten von einer Übermenge an Mineralien und Zusatzfutter ab. Wird ein Pferd jedoch auf einem höheren Level trainiert, wird natürlich Kraftfutter hinzugefügt. Ist ein Pferd leichtfuttrig, kannst du im Winter Zuckerschnitzel oder Mash beifüttern, sowie einen Schuss Öl über das Futter geben. Auch hier reagiert jedes Pferd anders. Grundsätzlich musst du das Futter zum Winter hin nicht umstellen. Manche Pferde weisen jedoch bestimmte Mängel auf, hier kannst du dann nach einer einfachen Blutuntersuchung mit dem Tierarzt gemeinsam entschieden werden, welches Zusatzfutter geeignet ist. Einfach ausprobieren ist nicht empfehlenswert. Nach einer Blutprobe weißt du genau, was du deinem Pferd geben kannst.

Toll für den Winter

Solarien sind super für den Winter. Unter anderem entspannen sie den Pferderücken und regen den Stoffwechsel, sowie die lokale Durchblutung an.

Abwechslung ist wichtig! Oft sind im Winter Plätze und Waldwege vereist. Pferde und Reiter sind an Reithallen gebunden. Zu diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass man Abwechslung in den Alltag bringt. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Stangenarbeit, Springgymnastik, Bodenarbeit, Trail-Training, Anti-Schreck-Training, Doppellonge oder Halsringreiten. Hauptsache der Spaß steht an erster Stelle! Und natürlich die Sicherheit. Wenn die Halle voll ist, sollte rücksichtsvoll miteinander umgegangen werden, damit jeder vernünftig mit seinem Pferd in der Halle arbeiten kann.

Wie machst du dein Pferd winterfest? Hast du noch coole Tipps und Tricks, die du mit uns teilen möchtest? Schreib uns sehr gerne einen Kommentar! 


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